Behinderung als Vorwand: Gehörlosenverein warnt vor dreisten Betrügern

Ingolstadt (intv) Sie geben sich als gehörlos aus und erschleichen sich so Spenden für ein angeblich neues Gehörlosenzentrum. Dreiste Betrüger ziehen derzeit mit gefälschten Spendenlisten durch die Region. Opfer dieser Masche sind meist unwissende Bürger und natürlich der Gehörlosenverein Ingolstadt e.V. selbst. Der appelliert nun an die Öffentlichkeit, auch um seine Mitglieder zu schützen. Denn die immer dreister werdende Abzocke organisierter Krimineller in Ingolstadt und der Region gehen auf Kosten des Gehörlosenvereins Ingolstadt.

„Es sind meistens Menschen mit Migrationshintergrund, die oftmals zu zweit unterwegs sind. Die haben immer ein Klemmbrett dabei mit einem Formular, wo man die Adresse, den Namen, das Datum und die Spendenhöhe eintragen kann. Sie unterhalten sich nicht wirklich mit den Menschen, sie zeigen an, dass sie angeblich gehörlos sind. Die Leute fragen dann nicht nach. Für uns ist das ein großes Problem, weil wir seit diesem Jahr unser Gehörlosenzentrum aufstocken konnten mit einem Obergeschoss und genau das war nur durch ganz viele und großzügige Spenden und Sponsoren möglich. Die jetzt natürlich verwirrt sind, dass angeblich Gehörlose von uns in der Stadt unterwegs sind und um Spenden betteln“, erklärt Ronja Kunze. Sie ist in der Sozialberatung für den Gehörlosenverein tätig und beherrscht die Gebärdensprache. Ihr standen zwei dieser dreisten Trickdiebe sogar einmal selbst gegenüber.

Oftmals sind sie auf Parkplätzen vor Supermärkten oder Einkaufszentren unterwegs. Die Masche ist stets dieselbe. Arglose Opfer lassen sich oft von dem professionell wirkenden Formular täuschen. Die Betrüger nutzen die Großzügigkeit der hilfsbereiten Menschen aus, um an das Geld zu kommen. Ronja Kunze gibt Tipps, wie man diese Betrüger schnell enttarnen kann: „Auf diesem Formular steht das Wort „taubstumm“. Das ist ein sehr veralteter Begriff, der auch nicht politisch korrekt ist. Kein Mensch mit Gehörlosigkeit würde von sich sagen, dass er taubstumm ist, oder für ein Taubstummenzentrum Spenden sammelt“, so Kunze.

Beobachtet man solche Betrüger am Werk, rät Kunze, sich bedeckt zu halten und die Polizei zu verständigen. In sozialen Netzwerken warnen sich Gehörlose indes untereinander. Schnell wird klar: die Betrüger agieren deutschlandweit, keine Großstadt ist ausgenommen. Der Gehörlosenverein Ingolstadt zumindest hofft mit seinem Appell, dass nun weniger Menschen in der Region auf die gefälschten Spendenlisten hereinfallen.