Bayerische Bürgermeister gründen Allianz für Erhalt der Geburtshilfe

Schrobenhausen (intv) Hebammenmangel und Unterfinanzierung – aus diesen Gründen ist die Geburtshilfe-Station am Schrobenhausener Kreiskrankenhaus seit April geschlossen. Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) kämpft seitdem energisch für die Wiedereröffnung. Gestern hat sich Stephan Rückendeckung aus ganz Bayern geholt und die „Allianz der Bürgermeister für den Erhalt der Geburtshilfe im ländlichen Raum“ gegründet.

Rund 60 Stadt- und Gemeindeoberhäupter hatte Schrobenhausens Bürgermeister dazu angeschrieben. Allesamt aus Kommunen, die vor ähnlichen Problemen stehen. Zu dem gestrigen Treffen in Schrobenhausen waren zwar nur neun Amtskollegen gekommen, weitere haben jedoch ihre Unterstützung zugesagt. Gemeinsam erarbeiteten die anwesenden Kommunalpolitiker eine Resolution mit drei wichtigen Eckpunkten.

„Einerseits muss die Vergütung von Geburten durch das Kassensystem verbessert werden“, fordert Stephan. Die Sätze für herkömmliche Entbindungen seien, im Gegensatz zu Notoperationen oder Kaiserschnitten, alles andere als rentabel. Zudem müssten der Fachkräftemangel gelöst und die strukturellen Vorgaben erleichtert werden.

Der Resolution werden sich noch viele weitere Bürgermeister anschließen, ist Stephan überzeugt. Danach soll das Schreiben an alle Landtags- und Bundestagsabgeordneten der betroffenen Regionen weitergeleitet werden.

Dass politisches Engagement bei diesem Thema etwas erreichen kann, zeigt das Beispiel von Weilheim in Oberbayern: „Viele Krankenhäuser schließen ihre Geburtshilfe-Station – wir haben letztes Jahr eine neu eröffnet“, ermunterte die dritte Bürgermeisterin, Angelika Flock (CSU), ihre Amtskollegen. „Auch wenn dadurch ein immenser Verlust entsteht.“ An den Haßberg-Kliniken in der unterfränkischen Stadt Haßfurt konnte die Station erhalten werden, weil die Hebammen energisch gegen die bereits angeordnete Schließung protestiert hatten. „Sie haben rund 20.000 Unterschriften gesammelt und dem Landrat vorbeigebracht“, so Bürgermeister Günther Werner (WG-Haßfurt).

Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen sucht unterdessen weiter nach neuen Hebammen. Bis zum Jahresende läuft die Frist, dann soll endgültig über die Zukunft der Geburtshilfe entschieden werden – die „Allianz der Bürgermeister“ zumindest will versuchen, dem drohenden Aus zuvorkommen.