Aufenthaltsgenehmigung gegen Geld?

Ingolstadt (intv) Er soll ahnungslose Bürger betrogen haben, um ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. So die Anklageschrift gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Ingolstädter Ausländeramtes. Der Fall sorgte bereits Ende 2012 für Schlagzeilen, als der 52-Jährige vor dem Schöffengericht zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt wurde. In einem Berufungsprozess wird der Fall derzeit vor dem Landgericht Ingolstadt erneut aufgerollt.

Im Gerichtssaal wirkt der mutmaßliche Täter ruhig und gelassen. Doch wer ihn kennt, der weiß: Die vergangenen Jahre sind nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Laut Attest ist der Verwaltungsfachangestellte nur eingeschränkt handlungsfähig, er musste sich mehrfach im Klinikum behandeln lassen. Wie bereits im Prozess 2012 beteuert er seine Unschuld. Das Gericht geht jedoch davon aus, dass der Angeklagte in 31 Fällen Gebühren von ahnungslosen Bürgern für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung verlangt hat – obwohl die laut Gesetz nicht vorgesehen sind. Heute haben Zeugen mit russischer und türkischer Staatsangehörigkeit ausgesagt, die den 52-Jährigen stark belasteten. Sie gaben an, Geldbeträge zwischen 20 und 30 Euro für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung gezahlt zu haben. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt, ein Urteil ist am 26. Februar zu erwarten.