Aufarbeitung der NS-Zeit im Audi museum mobile

Ingolstadt (intv) Helga Kinsky war acht Jahre alt, als die Nationalsozialisten in ihre Heimatstadt Wien einmarschierten. 1943 erfolgte die Deportation ins Ghetto Theresienstadt. Ein Jahr danach ging es für die heute 88-Jährige mit anderen Kindern nach Auschwitz, und eine Woche später gelangte Kinsky mit 200 Mädchen und jungen Frauen ins Auto Union KZ Oederan. Sechs Monate lang kämpfte sich die damals 14-Jährige durch zwölf Stunden Schichten. Ohne ordentliche Kleidung und ohne ordentliches Essen. Im April 1945 wurde die Insassin aus dem Arbeitslager befreit. Mit ihr arbeiteten etwa 17.300 Zwangsarbeiter und 3.700 KZ-Häftlinge für das Audi-Vorgängerunternehmen. Grund für das dunkle Kapitel war ein Fachkräftemangel während des Kriegs. Rund 45 Prozent der damaligen Arbeiter waren Zwangsarbeiter, die aus den sechs eigenen Konzentrationslagern kamen. Um die Vergangenheit aufzuarbeiten, hat sich Audi dazu entschlossen eine weitere Medienstation, neben der in Zwickau, zu eröffnen. Hier können die Besucher des Audi museum mobile die Zeitzeugeninterviews von sieben überlebenden Zwangsarbeitern anhören. „Wir müssen alles dafür tun, damit so etwas nie vergessen wird und nie wieder geschehen kann. Wir wollen dafür handeln“, sagte Wendelin Göbel, Vorstand Personal der AUDI AG.