Asylbewerber als Lehrlinge gegen Nachwuchssorgen im Handwerk

Geisenfeld (intv) Es war auf dem Rückweg von der Agentur für Arbeit. Dort hatte Horst Ittstein erfahren, dass die Baufirma Finsterer noch einen Lehrling sucht. Offiziell hatte das Ausbildungsjahr zwar schon begonnen, aber die ausgeschriebene Stelle der Firma aus Geisenfeld war am 4. September 2014 noch nicht besetzt. Kurz entschossen hielt Horst Ittstein an, ging ins Büro und fragte nach. Der Chef war nicht abgeneigt und so konnte Hossein Rezai bei ihm in die Lehre gehen. Acht Monate später freut sich Hans Finsterer, dass der Asylbewerber aus Afghanistan bessere Leistungen in der Berufsschule erzielt, als mancher deutscher Azubi in den Jahren davor. Das liegt auch an der Unterstützung von Horst Ittstein. Der ehemalige Soldat widmet Hossein und weiteren Asylbewerbern seinen Sonntag Morgen. Von 9 bis 12 Uhr zeigt er den Flüchtlingen, wie sie ihre Berichtshefte korrekt ausfüllen oder hilft bei den Hausaufgaben. Auch Benny Buetusa wird vom Mitglied der Nachbarschaftshilfe betreut. Der 22-jährige Kongolese war in seiner Heimat ins Gefängnis geworfen worden. Einfach nur, weil sein Vater als Soldat einen kleinen Fehler gemacht hat, berichtet Benny. Der Landtagsabgeordnete Karl Straub kennt solche Einzelschicksale zur Genüge. Er hat auch schon einmal eine Abschiebung verhindert, weil ein Auszubildender seine Lehre noch nicht beendet hatte. Für Straub ist Arbeit der beste Weg zur Integration. Als Mittelständler kennt er außerdem  die Nachwuchssorgen im Handwerk. Deshalb freut er sich über jedes Ausbildungsverhältnis, das Flüchtlingen und Betrieben eine Perspektive bildet.