Artenschutz, Düngeverordnung und Klimawandel: Landwirte diskutieren in Weichering

Weichering (intv) Nach dem erfolgreichen Volksbegehren machen sich alle daran, die Bienen zu retten. Am runden Tisch in München kamen gestern die Initiatoren, Landwirte und Politiker zusammen. Das erste Ergebnis ist eine Annäherung. Der Artenschutz war heute ein Thema bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) in Weichering. Und da ging es natürlich auch um die Diskussion in München.

Josef Schmid war dabei am runden Tisch in München. Als Vorsitzender des AbL hat er sich schon im Vorfeld für das Volksbegehren eingesetzt. Beim Landwirtschaftsverband sorgte das auch für Kritik. Nun hofft er, dass sich die Parteien bald einigen. Sein Wunsch: Landwirte sollen für Maßnahmen die sie leisten müssen einen Ausgleich bekommen. Außerdem soll sich die Agrarpolitik soweit ändern, dass der Druck auf Bauern, immer billiger zu produzieren, zurückgeht. Schmid plädiert für eine gezielte Förderung, indem bereits vorhandene Gelder zum Beispiel umverteilt werden.

Dass es weniger Insekten und Vögel gibt, zeigte Wolfram Güthler vom Bayerischen Umweltministerium in seinem Vortrag. Vor allem der Kiebitz, die Lerche und das Rebhuhn kämpfen ums Überleben. Mit dem Vertragsnaturschutz fördert das Umweltministerium bereits Maßnahmen, um mehr Blühwiesen zu schaffen. Güthler mahnt aber auch an, dass es nicht nur an den Landwirten liegen kann. Jeder ist beim Artenschutz gefragt, das fängt im heimischen Garten an.

Über die Düngeverordnung sprach Prof. Onno Poppinga aus Kassel. Dabei geht es um Grenzwerte, die nicht überschritten werden sollen. Durch zu viel Dünger ist das Grundwasser in manchen Regionen mit Nitrat belastet. Dagegen hilft die Verordnung. Poppinga sieht aber noch kein Allheilmittel. Denn zu oft seien Landwirte von der Aufzeichnungspflicht betroffen, auch wenn ihr Boden gar nicht überdüngt ist. Die Einschränkungen durch die Verordnung haben laut Poppinga schon dafür gesorgt, dass manche Landwirte ihren Betrieb eingestellt haben.

Drittes großes Thema der Tagung war der Klimawandel. Referentin Anita Idel sieht die Landwirtschaft als großen Treiber und zentrales Opfer zugleich. Landwirtschaft habe unglaubliches Potenzial um den Klimawandel abzumildern, das stehe und falle aber mit der Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Und dürfe man das Grünland nicht vergessen. Da seien unglaubliche Chancen versteckt. Man rechne aber nicht damit, weil die Kuh inzwischen am Klimapranger stehe, so Idel.

Bei allen Studien komme es eben auch auf die Fragestellung an. Die Methan-Bilanz einer Kuh ist nicht gut. Aber die Alternative zur Weide wäre Kraftfutter. Und das hat laut Idel wiederum eine schlechtere Klimabilanz als die Kuh auf der Weide. Alles eine Frage der Perspektive.