Armut in einem reichen Land

Neuburg (intv) Die 69-jährige Hilde Neff besucht alle zwei Wochen die Neuburger Tafel. Hier bekommt sie kostenlos Lebensmittel, worüber sie sehr dankbar ist. Denn die Rentnerin hat – mit Abzug ihrer Miete – monatlich maximal 300 Euro zur Verfügung. Das erste Mal hat sie vor sieben Jahren bei der Tafel vorbei geschaut, nachdem sie lange mit sich gerungen hatte. Hilde Neff hat früher für eine Zulieferfirma für Audi gearbeitet. Als sie krank geworden und schließlich mit 65 in Rente gegangen ist, wurde das Geld schnell knapp. Seitdem heißt es sparen und gut haushalten. So wie Hilde Neff geht es in Deutschland – und auch im vermeintlich „reichen“ Bayern – vielen Menschen. Mit ein Grund, weshalb der VdK Kreisverband zusammen mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung gestern zu einer Podiumsdiskussion geladen hat: „Wir wollen das Bewusstsein schärfen, dass es in unserem Land Millionen Menschen gibt, denen es eben nicht gut geht, die vom Überfluss und Reichtum umgeben sind und nicht daran teilhaben können“, so Achim Werner, stellvertretender Vorsitzender des VdK Bayern. Doch wie soll die zukünftige Rentnergeneration aussehen? Das haben sich gestern bei der Podiumsdiskussion viele Gäste gefragt. Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl ist davon überzeugt: Jede einzelne Maßnahme während des Erwerbslebens trägt dazu bei, Altersarmut zu reduzieren. Die Politik muss deshalb rechtzeitig aktiv werden. Man ist sich also einig: Handlungsbedarf gibt es jede Menge. Doch bis dann auch tatsächlich etwas passiert, werden wohl noch viele Menschen bei der Neuburger Tafel vorbei schauen müssen. So wie Hilde Neff, die trotz allem ihren Lebensmut nicht verloren hat.