Angenagte Bäume und überflutete Felder: Der Biber in Rohrbach an der Ilm

Rohrbach/ Pfaffenhofen (intv) Angenagte, teilweise umgestürtzte Bäume, überflutete Wiesen und geplünderte Felder – wo der Biber sich häuslich einrichtet, ist Ärger und Frust bei der Bevölkerung groß. So auch in Rohrbach. Dort hat der Biber an der Ilm schon für manch gefährliche Situation gesorgt.

Die Ilm bei Rohrbach ist wie ein Schlaraffenland für den Biber. Hat er mal keine Lust auf Baurinde kann er sich auch an gegenüberliegenden Feldern bedienen. Um dort hinzu gelangen, klettert er aber nicht immer ÜBER den Feldweg. Und das macht der Gemeinde die meisten Sorgen, erklärt Georg Meurer aus dem technischen Bauamt von Rohrbach: „Er gräbt sich teilweise von der Ilm heraus in den Geh- und Radweg hinein, der von unserer Bevölkerung stark frequentiert wird. Die Gefahr ist, dass das Loch dann bis zu einem Meter tief ist. Sein Graben geht außerdem bis zu einem Meter in den Weg hinein und ist nicht ersichtlich und wenn da ein Radfahrer hinein fährt, dann kann es zu ganz bösen Verletzungen kommen.“

Ein paar hundert Meter weiter liegt die nächste Gefahrenquelle. Eine Schleuse, die vorallem bei Hochwasser eine wichtige Rolle spielt. „Wenn der Biber ganze Bäume abnagt und die auch unter Wasser unsichtbar auf die Schleuse zutreiben, sich darin verkeilen und die Schleuse funktionsunfähig machen, hat das vorallem bei Hochwasser veheerende Folgen.“, betont Meurer. Das letzte Hochwasser ist fünf Jahre her.

Der dritte Brennpunkt: Direkt neben der Gemeindeverbindungsstraße hat das Nagetier das Wasser mit seinen Dämmen so aufgestaut, dass die komplette Fläche überschwemmt ist. Je nach Wasserstand kann es an dieser Straße vorallem im Winter zu gefährlichen Rutschpartien kommen. Die Deutsche Bahn hat eine Leitplanke angerichtet, aber nur weil die Stelle zu dem Unternehmen gehört. Mit der Zeit sieht Meurer aber noch größere Probleme auf die Gemeinde zukommen. Das Wasser sucht sich seine Wege und lockert nach und nach den Boden auf, auch unter Verbindungsstraße. Irgendwann gibt der Boden unter den zahlreichen Schwerlasttransporten und Landwirtschaftsmaschinen nach. Auf der anderen Seite hat der Biber an dieser Stelle ein kleines Wunder vollbracht: „Das tolle ist, dass hier ein Biotop entstanden ist, dass Pflanzen und Tierarten hervorgebracht hat, die es hier eigentlich nicht mehr oder nie gegeben hat.“, erleutert Georg Meurer.

Darüber freuen sich Naturschützer und die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Paffenhofen. Letztere ist aber auch die zuständige Stelle für das sogenannte Bibermanagement. Da das Nagetier nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützen Tierarten gehört, hat die Behörde nicht viel Handlungsspielraum. Das größte Aufgabenfeld für das Amt: Von Biberschäden betroffene Bürger entschädigen. Nach dem Feststellen eines Schadens sollte man allerdings schnell sein, betont Karola Mayer, Abteilungsleiterin der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Pfaffenhofen: „Jeder hat mittlerweile das Handy dabei. Schnell ein Foto machen, eventuell noch einen Zeugen mitnehmen, falls es mal zu Schwierigkeiten der Beweisbarkeit kommt. und dann gleich dem Landratsamt melden. Wir nehmen das auf und schicken einen Sachverständigen vorbei.“

Sachverständige gibt es zu wenig. Deswegen sucht die untere Naturschutzbehörde dringend nach sogenannten Biberberatern im Landkreis, die gerne auch aus der Landwirtschaft kommen dürfen. Vorkenntnisse sind nicht von Nöten. Das Landratsamt bietet Seminare an. Eine Maßnahme, damit betroffenen Bürgern oder Gemeinden wie Rochrbach schneller und besser geholfen werden kann.