Alfred Lehmann zieht sich aus der Politik zurück: Reaktionen

Ingolstadt (intv) Es ist eine Nachricht, die gleich zu Wochenbeginn für jede Menge Diskussionsstoff in Ingolstadt gesorgt hat. Alt-Oberbürgermeister Alfred Lehmann hat gestern bekannt gegeben, dass er sein Ehrenamt als Stadtrat aufgeben möchte. Der offizielle Grund: Er möchte weiteren Schaden von seiner Familie abwenden – in den vergangenen Wochen seien mehrere anonyme Briefe mit Lügen und persönlichen Schmähungen über ihn aufgetaucht.

In den vergangenen Monaten ist der 66-Jährige immer mehr ins Schussfeld geraten.
Das Problem: Seine Doppelrolle als Klinikum-Aufsichtsrat und Berater einer Headhunter-Agentur.
Genau diese Agentur habe Lehmann bei der Suche nach einem ärztlichen Direktor für das Klinikum empfohlen – obwohl er bei der gleichen Firma selbst auf der Gehaltsliste steht. Als diese Angelegenheit bekannt wurde, haben verschiedene Stadtratsfraktionen, allen voran die SPD, Lehmann nahe gelegt, all seine öffentlichen Ämter niederzulegen. Seit Ende Juni erreichen auch anonyme Briefe das Rathaus, die Alfred Lehmann und weitere Politiker scharf kritisieren.
Gestern hat der Alt-Oberbürgermeister nun die Reißleine gezogen. „Hier geht es nicht um sachliche Informationen oder Aufklärung unlauterer Verhaltensweisen, sondern um ehrabschneidende Unterstellungen, Beleidigungen, persönliche Angriffe bis hin zum Rufmord“, lässt Lehmann in einer Pressemitteilung verkünden. Er habe diese Entscheidung getroffen, weil auch seine Familie stark unter den Vorwürfen leide.
Eine Entscheidung, die auch an den anderen Parteien nicht spurlos vorüber gegangen ist.
So äußert sich auch die ÖDP zu den anonymen Briefen: „Wer Kritik äußert, muss aus Sicht der ÖDP mit Gesicht und Namen dazu stehen“.
Auch Alt-Oberbürgermeister Peter Schnell findet deutliche Worte: „Unsere Stadt hat Alfred Lehmann viel zu verdanken. Diese anonymen Briefe sind Schmähungen und sie sind schlicht verabscheuungswürdig“, so der CSU-Politiker.
Die Bürgergemeinschaft Ingolstadt sieht den Sachverhalt etwas anders: „Alfred Lehmann hat durch das Verschweigen seiner Doppeltätigkeit eine rote Linie überschritten, die ein ehrlicher und verantwortlicher Politiker nicht überschreiten darf“.
Fest steht: Alfred Lehmann wird in Zukunft nicht mehr politisch aktiv sein. Erster Nachrücker auf der CSU-Liste wäre dann Michael Wenzl, der als Direktor der Unfallchirurgie ebenfalls eng mit dem Klinikum verbunden ist.