4 Jahre und 6 Monate: Urteilsverkündung beim Geiselnehmerprozess Pfaffenhofen

Ingolstadt/ Pfaffenhofen (intv) Den 6. November letzten Jahres werden die Mitarbeiter des Pfaffenhofener Jugendamts so schnell nicht vergessen. Ein junger Vater aus Ingolstadt hatte sich eine Sozialpädagogin zur Geisel genommen, der Grund: Ein Sorgerechtsstreit um seine zweijährige Tochter. Freitag Mittag, den 12.10.2018, hat der Richter im Ingolstädter Landgericht das Urteil gefällt.

Schuldig im Sinne der Anklage. Auch dieses Mal zeigte Igor B. kaum eine Gefühlsregung. Dieses Verhalten gehört laut Gutachten zu seinem psychischen Krankeitsbild. Mitunter einer der Gründe, warum Igor B. die nächsten vier Jahre und 6 Monate in einer psychiatrischen Klinik verbringen muss. Für den Richter liegen die Voraussetzungen einer verminderten Schuldfähigkeit vor.

„Das heißt er wusste teilweise noch was er tat beziehungsweise konnte seine Tat teilweise noch steuern. In so einem Fall kann das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verhängen, muss es auch, wenn sich auf Grund von Gutachten der Sachverständigen herausstellt, dass der Täter auch in Zukunft erhebliche Straftaten begehen wird, die dann auch die Allgemeinheit gefährden“, erklärt die Pressesprecherin des Landgerichts, Heike Linz-Höhne.

Eine Gefahr für die Allgemeinheit stellt Igor B. laut Gutachten deswegen dar, weil sich sein suizidales Verhalten, sprich Gewalt an sich selbst, ohne Weiteres in Gewalt an Dritte umwandeln kann.
Für den Verteidiger Jörg Gragert kam das Urteil nicht unerwartet. Er ist zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlung, auch wenn er das Gutachten zur psychischen Verfassung seines Mandanten nicht gänzlich nachvollziehen konnte: „Ich fand das Gutachten in manchen Schlussfolgerungen doch etwas konstruiert, allerdings maße ich mir auch nicht an hier eine bessere psychiatrische Analyse herstellen zu können. Ich fand es zwar in gewissen Teilen nicht überzeugend, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es für meinen Mandanten jetzt das Beste ist sich erstmal in Behandlung zu begeben.“

Positiv auf das Urteil hatte sich unter anderem das sofortige Schuldeingeständnis ausgewirkt, sowie der Verzicht auf die Aussage des stark traumatisierten Opfers. Innerhalb einer Woche kann die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft in Revision gehen. Wenn nicht, ist das Urteil rechtskräftig.